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News 07.07.2026

Die Entdeckung des Nordens: Sebastian Münsters historische Europakarte

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Die Entdeckung des Nordens: Sebastian Münsters historische Europakarte

 

Die vorliegende historische Karte ist ein faszinierendes Zeugnis der Kartografie des 16. Jahrhunderts. Erschaffen von dem berühmten Kosmografen und Humanisten Sebastian Münster, bietet dieser detaillierte Holzschnitt einen spannenden Einblick in das geografische Weltbild der Renaissance hinsichtlich Nord- und Nordwesteuropas.

 

„Gemeine beschreibung aller Mitternächtigen Länder“

 

Der Titel am oberen Rand der Karte, „Gemeine beschreibung aller Mitternächtigen Länder / Schweden / Gothen / Norwegien / Dennmarck ec.“, verweist auf die damalige Bezeichnung für den Norden – die „Mitternachtslande“. Solche Karten waren meist Teil von Münsters monumentalem Hauptwerk, der Cosmographia (erstmals erschienen 1544), welches das erste deutschsprachige Werk dieser Art war und das geografische sowie historische Wissen seiner Zeit für ein breites Publikum bündelte.

 

Geografische Details und Besonderheiten

 

Die Darstellung zeichnet sich durch die für diese Epoche typische Mischung aus grober geografischer Orientierung und künstlerischer Ausgestaltung aus. Folgende historische Regionen und Details lassen sich deutlich erkennen:

 

  • Skandinavien: Die skandinavische Halbinsel dominiert das Zentrum und ist prominent in Nordwegia (Norwegen), Sweden (Schweden) und Gothia unterteilt. Auch Lappenland und Finmarck im hohen Norden sind bereits verzeichnet.

 

  • Die Britischen Inseln: Im Westen (linker Rand) sind Schotland (mit der Einzeichnung Edinburg) und Engel landt (England) zu sehen. Getrennt werden die Landmassen durch Das Engelsch möre (die Nordsee).

 

  • Island: Nordwestlich findet sich Island. Besonders interessant ist hier die Einzeichnung des Heckl berg (der Vulkan Hekla), der im damaligen europäischen Volksglauben oft als eines der Tore zur Hölle gefürchtet wurde.

 

  • Osteuropa: Im Osten erstrecken sich weite Gebiete des Baltikums und Russlands, markiert durch Bezeichnungen wie Livonia, Rüssen und das Moscouiter land (Moskowien).

 

  • Norddeutschland & Dänemark: Im unteren mittleren Bereich formt sich Dennmarck mit seinen Inseln aus. Direkt südlich davon finden sich kleine, stilisierte Stadt-Vignetten bekannter Handelsstädte wie Hamburg, Lübeck und Dantzig.

 

Kartografische Ästhetik des 16. Jahrhunderts

 

Der handwerkliche Charakter des Holzschnitts prägt die Ästhetik des Dokuments. Die Meeresflächen werden durch dichte, parallel verlaufende Wellenlinien dargestellt, was der Karte eine lebhafte Textur verleiht. Gebirgszüge sind bildhaft wie kleine Hügelketten aneinandergereiht, und wichtige Städte werden durch kleine Gebäudeansichten hervorgehoben.

 

Zusammenfassend ist diese Karte ein herausragendes Beispiel frühneuzeitlicher Wissensvermittlung, die es dem gebildeten Publikum ermöglichte, die rauen, fernen und oft mythologisch verklärten „Mitternächtigen Länder“ visuell zu begreifen.