Katalogtext
Kartographische Darstellung Nordeuropas (Sebastian Münster)
Objektbeschreibung
Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um eine kartographische Darstellung Nordeuropas, die als Holzschnitt-Illustration aus dem monumentalsten geographischen Werk des 16. Jahrhunderts – der Cosmographia des Hebräisten, Universalgelehrten und Kartographen Sebastian Münster (1488–1552) – stammt. Die Karte visualisiert das geographische Wissen der Renaissance über die nordeuropäischen Regionen. Die Darstellung zeichnet sich durch die für Münsters Werk typische Mischung aus präzisen topographischen Angaben und zeitgenössischen Ausschmückungen, wie Meeresungeheuern oder symbolischen Darstellungen der Flora und Fauna, aus. Diese Elemente spiegeln das damalige, stark von Mythen und frühen Entdeckerberichten geprägte Weltbild des „unbekannten Nordens“ wider.
Historischer Kontext und Provenienz
Das Kartenblatt ist ein integraler Bestandteil von Sebastian Münsters Cosmographia, einem der einflussreichsten und am weitesten verbreiteten Bücher der Frühen Neuzeit, das in der Offizin von Heinrich Petri in Basel gedruckt wurde. Das Gesamtwerk verfolgte den ambitionierten Anspruch einer „Beschreibung der ganzen Welt mit allem, was darinnen ist“ und prägte das europäische Weltbild für Generationen.
Die Publikationsgeschichte des Werkes ist durch eine komplexe Titelführung gekennzeichnet, die den Wandel von einer rein gelehrten lateinischen Tradition hin zu einem populärwissenschaftlichen deutschsprachigen Standardwerk verdeutlicht:
- Frühphase (1544–1548): Unter dem lateinischen Titel Cosmographia oder Cosmographiae universalis lib[ri] VI etablierte Münster das Werk zunächst als geographisches Kompendium für ein elitäres, akademisches Publikum.
- Hauptphase (1550–1614): In diesem Zeitraum – in den auch das vorliegende Blatt fällt – wurde der Titel konsequent in das Deutsche übertragen: Cosmographei oder beschreibung aller länder, herrschafften, fürnemsten stetten, geschichten, gebreüchen, hantierungen etc. Dieser Titel unterstreicht den enzyklopädischen Anspruch des Werkes, das nun nicht nur geographische Daten, sondern auch historische, soziale und wirtschaftliche Informationen bündelte und so dem aufstrebenden Bürgertum zugänglich gemacht wurde.
- Spätphase (1615–1628): Mit der Rückkehr zum lateinischen Titel Cosmographia in späteren Auflagen schließt sich der Kreis der editionsgeschichtlichen Entwicklung, was die anhaltende paneuropäische Bedeutung des Werkes weit über Münsters Tod hinaus dokumentiert.