Historisches Liederheft: Titelblatt der Kölner Grossen Carnevals-Gesellschaft (1897)
Katalogtext
Historisches Liederheft: Titelblatt der Kölner Grossen Carnevals-Gesellschaft (1897)
Objektbeschreibung und kulturhistorische Bedeutung
Das vorliegende Artefakt zeigt das farbenprächtige Titelblatt eines Liederheftes der „Kölner Grosse Carnevals-Gesellschaft“, welches anlässlich der „Zweiten Sitzung“ am Sonntag, den 3. Januar 1897, herausgegeben wurde. Als zeittypisches Ephemera dokumentiert dieser Druck die bürgerliche Fest- und Feierkultur im Deutschen Kaiserreich. Liederhefte dieser Art waren ein zentrales Element der karnevalistischen Sitzungen, da sie dem Publikum das gemeinsame Singen der vorgetragenen Stücke ermöglichten und zugleich als aufwendig gestaltete Souvenirs dienten.
Ikonografie und karnevalistische Symbolik
Die detailreiche Bildkomposition vereint zentrale Motive des Kölner Karnevals: Auf der linken Seite thront ein klassischer Hofnarr in rot-grünem Gewand mit Pritsche, der den Betrachtern mit einem grünen Römer-Glas zuprostet. Über ihm musizieren vier kleine Putten an einer von einer strahlenden Eule – einem traditionellen Symbol der Narretei und Weisheit – flankierten Balustrade. Den rechten unteren Bildrand dominiert ein gemütlich Pfeife rauchender Kölner Stadtsoldat (ein sogenannter „Funke“), der neben dem Kölner Stadtwappen mit den drei Kronen und den elf Tropfen wacht. Den unteren Abschluss bildet ein detailliertes Stadtpanorama von Köln mit der Rhein-Schiffbrücke und dem markanten, erst wenige Jahre zuvor (1880) vollendeten Kölner Dom.
Organisatorischer Rahmen und Veranstaltungsort
Der typografische Teil des Blattes, verfasst in historischer Frakturschrift, verweist auf die hochgradig institutionalisierte Struktur des Festes. Die Sitzung fand im großen Saale der angesehenen „Bürger-Gesellschaft“ statt, einem wichtigen gesellschaftlichen Zentrum des damaligen Kölns. Als Herausgeber für den sogenannten „Kleinen Rat“ zeichnet der Präsident Emanuel Mosler verantwortlich. Der strenge Vermerk „Nachdruck verboten!“ zeugt zudem von dem kommerziellen und urheberrechtlichen Bewusstsein der Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts.
Drucktechnik und Materialität
Gefertigt wurde das Titelblatt von der Druckerei bzw. Lithografieanstalt „Hans Reisinger, Köln“ (siehe Vermerk unten links). Es handelt sich um eine hochwertige Farblithografie (Chromolithografie), die sich durch ihre leuchtenden Farben und feinen Kontraste auszeichnet. Dies kommt besonders in der feinen Linienführung der floralen Jugendstil-Ornamente und der architektonischen Details der Stadtansicht zur Geltung. Das Papier ist in seinen Farben bemerkenswert frisch und gut erhalten geblieben, was den hohen ästhetischen Anspruch der Druckerzeugnisse in der Belle Époque eindrucksvoll widerspiegelt.