Historischer Stadtplan von Hamburg mit Architektur-Vignetten (ca. 1872–1890)
Katalogtext
Historischer Stadtplan von Hamburg mit Architektur-Vignetten (ca. 1872–1890)
Objektbeschreibung und Datierung
Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um einen detaillierten, lithografischen Stadtplan von Hamburg aus dem späten 19. Jahrhundert. Das Kartenbild dokumentiert eindrucksvoll die städtebauliche und logistische Expansion der Hansestadt während der Gründerzeit. Eine genaue historische Verortung ist durch spezifische topografische Merkmale möglich: Die Verzeichnung des „Hamburg-Venlo Bahnhofs“ (eröffnet 1872, umbenannt 1892) sowie die Struktur der neu angelegten Hafenbecken wie dem Sandthorhafen und Baakenhafen datieren das Blatt relativ präzise in die Epoche zwischen 1872 und 1890.
Kartografische Erfassung
Der Hauptplan besticht durch eine zweckmäßige, flächige Kolorierung in zeittypischen Ocker- und Orangetönen, welche die dicht bebaute Innenstadt, das Gebiet um St. Georg und die Hafenanlagen deutlich von den Wasserflächen der Binnen- und Außenalster abhebt. Eine kleine Inset-Karte am oberen linken Rand bietet zusätzlich eine Übersichtskarte der Niederelbe-Region von Hamburg bis Stade und Buxtehude, was die überregionale logistische Bedeutung der Stadt für den Handel unterstreicht.
Architektur-Vignetten und Zeitkolorit
Eine kulturhistorische Besonderheit dieser Ausgabe ist die Umrahmung (bzw. Rückseite) mit feinsten lithografischen Architektur-Vignetten. Diese Ansichten präsentieren die wichtigsten Repräsentationsbauten der damaligen Zeit, darunter die Börse, die St. Jacobikirche, die Englisch-reformirte Kirche, die Gewerbeschule sowie das Waisenhaus. Auch das Rathaus der damals noch eigenständigen Nachbarstadt Altona ist prominent vertreten. Ergänzt wird dieser visuelle Reiseführer durch abgedruckte Fahrpläne, wie etwa die Richtlinien für die „Alster-Dampfschiffe“, die den Alltag des 19. Jahrhunderts lebendig werden lassen.
Materialität und Erhaltungszustand
Das dünne, für Faltpläne typische Papier weist eine starke, zutiefst authentische Alterspatina auf. Deutlich sichtbare Falzspuren, eine ausgeprägte, wolkige Bräunung (Stockflecken) sowie kleinere Randläsionen erzählen von der aktiven Nutzung dieses Plans. Diese materialen Spuren mindern den Wert nicht, sondern bestätigen den Charakter eines historischen Gebrauchsobjekts, das einst von Bürgern oder Reisenden durch die Straßen des kaiserzeitlichen Hamburgs getragen wurde.