Kolorierter Kupferstich: Stadtansicht von Lübeck (Pierre Aveline)
Katalogtext
Kolorierter Kupferstich: Stadtansicht von Lübeck (Pierre Aveline)
Objektübersicht und Provenienz
Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um einen feinen, handkolorierten Kupferstich der Hansestadt Lübeck. Das Werk entstammt der Pariser Werkstatt des französischen Kupferstechers und Verlegers Pierre Aveline (spätes 17. oder frühes 18. Jahrhundert). Die panoramaartige Darstellung reiht sich in die große Tradition der frühneuzeitlichen europäischen Städteporträts ein und hält die imposante Silhouette der stolzen Handelsmetropole aus einer erhöhten, repräsentativen Perspektive fest.
Bildkomposition und städtebauliche Details
Die Vedute besticht durch ihre klassische, tiefenräumliche Dreiteilung. Im Vordergrund belebt eine detailreiche Staffage das Bild: Eine repräsentative, mehrspännige Kutsche, Reiter und Flaneure bewegen sich durch eine ländliche Szenerie vor den Toren der Stadt. Der Mittelgrund dokumentiert mit großer topographischer Präzision die massiven barocken Festungsanlagen, Bastionen und weiträumigen Wassergräben entlang der Trave, die den wehrhaften Charakter Lübecks unterstreichen. Die Hintergrundebene wird von der berühmten Skyline mit den charakteristischen „Sieben Türmen“ – darunter der Lübecker Dom und die Marienkirche – majestätisch vor einem dynamischen Wolkenhimmel dominiert.
Französische Legende und historische Einordnung
Unterhalb des Bildmotivs befindet sich eine ausführliche französischsprachige Legende, die den kartographischen und edukativen Anspruch des Blattes belegt. Der Text erläutert den historischen und politischen Status Lübecks: Er verweist explizit auf den Wechsel vom katholischen Bischofssitz zur lutherischen Konfession („premierement d'un Evêché Catholique presentem. Lutherien“) sowie auf die herausragende Stellung als freie Reichsstadt („Ville Imperiale“) und Hauptstadt ihres Territoriums im Niedersächsischen Reichskreis. Den Abschluss der Inschrift bildet die Signatur des Urhebers: „Fait par Aveline“.
Erhaltungszustand und Kolorit
Das Blatt zeichnet sich durch ein äußerst ansprechendes, sorgfältig ausgeführtes Altkolorit aus. Die bewusste farbliche Akzentuierung der blauen Dächerlandschaften, des roten Ziegelmauerwerks sowie der grünen Vorlandflächen verleiht der historischen Darstellung eine besondere plastische Lebendigkeit. Das gerahmte Papier zeigt eine milde, dem Alter entsprechende und historisch authentische Patina ohne störende Schäden.