Protokorinthisches spitzes Aryballos (Salbgefäß)
Katalogtext
Protokorinthisches spitzes Aryballos (Salbgefäß)
Objektidentifikation und Typologie
Bei dem im Bild abgebildeten Artefakt handelt es sich um ein antikes griechisches Salbgefäß, ein sogenanntes spitzes Aryballos (gelegentlich auch birnenförmiges Aryballos genannt). Diese sehr spezifische Gefäßform ist charakteristisch für die protokorinthische bis frühkorinthische Epoche (ca. 7. Jahrhundert v. Chr.). Die archäologische Typologie zeigt sich deutlich in der Formgebung: ein spitz zulaufender Boden, ein stark ausladender Schulterbereich, ein auffällig enger Hals und ein markanter, scheibenförmiger Mündungsteller. Ein einzelner vertikaler Bandhenkel verbindet die Schulter direkt mit der Lippe.
Material, Dekor und Funktion
Das Artefakt besteht aus heller Terrakotta und weist eine umlaufende, geometrisch-lineare Bemalung auf. Gut erkennbar sind die breiten und schmalen horizontalen Bänder (aus dunklem Schlicker/Firnis) auf dem unteren Gefäßkörper sowie ein radiales Strichornament auf der Schulterpartie.
Die ergonomische und technische Konstruktion ist hochspezialisiert auf die Lagerung wertvoller parfümierter Öle. Der extrem enge Hals verhinderte ein schnelles Verdunsteten und ermöglichte eine sparsame, tropfenweise Dosierung des kostbaren Inhalts. Der breite, flache Lippenteller eignete sich ideal, um das austretende Öl direkt auf der Haut zu verstreichen (eine Praxis, die besonders von Athleten im antiken Griechenland gepflegt wurde). Der spitze Boden verhinderte zwar ein sicheres Abstellen auf flachen Oberflächen, jedoch wurden diese kleinen Gefäße zumeist an einer Schnur – durch den Henkel geführt – am Handgelenk getragen oder bei der stationären Lagerung schlicht in weichen Sand gesteckt.
Erhaltungszustand und Aufbewahrung
Das Objekt erscheint intakt, wenngleich die antike Oberflächenbemalung alters- und lagerungsbedingten Abrieb aufweist. Auf der Fotografie ruht das Artefakt – gleichsam schwebend – provisorisch in einem modernen Kunststoffbehälter. Zur lückenlosen archivarischen Dokumentation für den Bestand von Germanicum.art empfiehlt sich nach der fotografischen Erfassung eine dem Material angemessene, konservatorische Einbettung, um Spannungsrisse an der empfindlichen Spitze zu vermeiden.