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Antike - Germanen Inv.-Nr. GA-0016

Lithisches Pigment-Mörserbecken und zugehöriger Bildträger mit langobardischer Symbolik

Lithisches Pigment-Mörserbecken und zugehöriger Bildträger mit langobardischer Symbolik

Katalogtext

Artefaktbeschreibung: Lithisches Pigment-Mörserbecken und zugehöriger Bildträger mit langobardischer Symbolik

1. Objektübersicht und funktionale Klassifizierung

Das vorliegende Ensemble besteht aus zwei funktional strikt voneinander getrennten lithischen Artefakten. Anders als bei multifunktionalen Werkzeugen handelt es sich hierbei um ein spezialisiertes Set zur Farbverarbeitung und -applikation. Das Ensemble gliedert sich in ein Werkzeug zur Pigmentaufbereitung (Klassifikation: Mörserbecken) und ein Trägermedium für die rituelle oder kulturelle Bildsprache (Klassifikation: lithische Leinwand/Bildträger).

2. Detektion der Nutzungsebene I: Das Mörserbecken

Der erste Stein zeichnet sich durch eine präzise eingeschliffene, halbkreisförmige Kavität aus, deren Morphologie stark an zeitgenössische Mörserschalen erinnert. Die Detektion des Nutzungskontextes ergibt sich aus den materialen Rückständen innerhalb dieser Vertiefung: Makroskopische und mikroskopische Spuren belegen, dass in dieser Senke Farbpigmente zerkleinert, gebunden und angemischt wurden. Die ergonomische und geometrische Beschaffenheit des Schliffs ist dediziert auf die rotierende und drückende Bewegung eines Pistills oder Reibsteins ausgelegt, um eine homogene Farbpaste zu erzeugen.

3. Detektion der Nutzungsebene II: Die „Steinleinwand“ und ikonographische Analyse

Der zweite Stein fungiert im Gegensatz zum Mörserbecken nicht als mechanisches Werkzeug, sondern ausschließlich als Applikationsfläche (Leinwand). Die Oberfläche weist keine Abriebspuren auf, die auf eine werkzeugtechnische Nutzung hindeuten würden.

Bei genauer visueller Inspektion – potenziell unterstützt durch Streiflicht- oder Multispektralanalyse – lässt sich auf diesem Trägergestein ein stark verblasstes, appliziertes Motiv detektieren. Es handelt sich um die Darstellung einer gerollten Schlange. Diese spezifische Ikonographie ist hochgradig signifikant: Die gerollte Schlange ist ein zentrales heraldisches und mythologisches Symbol der Langobarden.

4. Historischer Kontext und Synthese

Die Identifikation der langobardischen Schlange auf dem Bildträger, kombiniert mit den Farbrückständen im zugehörigen Mörserbecken, lässt auf einen geschlossenen rituellen oder handwerklichen Prozess schließen. Das Mörserbecken liefert den direkten Nachweis für die lokale Herstellung der Farbe, während die Steinleinwand das Endprodukt dieser handwerklichen Kette konserviert. Die Detektion dieser Arbeitsschritte gewährt einen detaillierten Einblick in die farbhandwerklichen und symbolischen Praktiken der langobardischen Kultur.